| LebensweiseWer es sich leisten konnte, verbrachte seine Zeit mit Jagd, Müßiggang, Schlafen und Essen, und überließ die Bauernarbeit und den Haushalt den Knechten. Ein Adeliger konnte lange ausschlafen, dann warm baden, essen, und den Rest des Tages mit Geschäften oder Gastgelagen zubringen.
Das Leben des einfachen Mannes (oder der einfachen Frau) bestand aber überwiegend aus Arbeit: Feldarbeit, Roden, Pflügen, Sähen, Unkraut jäten, Ernten, Weben, Töpfern, Getreide mahlen, Kleidung nähen, Früchte sammeln und Unzähliges mehr. Die meisten Germanen dürften nur wenig Freizeit gehabt haben.
Die Germanen hatten viel Freude an Geselligkeit, an Gelagen und Gastfreundschaft. Kam jemand an ein Haus, galt es als frevelhaft, ihn abzuweisen, wer er auch war. Vielmehr wurde er als Gast bewirtet, oft bis die Vorräte aufgebraucht waren. (In diesem Fall führte der Wirt seinen Gast zum Nachbarhaus, wo beide als Gäste aufgenommen wurden.)
Bei Gastmählern war üblich, Tag und Nacht unmäßig und ununterbrochen Bier oder Met zu trinken. Neben Klatsch und Tratsch sprachen die Germanen dabei auch über Aussöhnung von Feinden, Eheschließungen, Häuptlingswahlen oder Krieg und Frieden.
Sollte derartiges beredet werden, betranken sie sich erst recht, um ehrlicher und begeisterungsfähiger zu sein. (Sicherheitshalber besprachen sie das Beschlossene am nächsten Tag noch einmal nüchtern.)
Häufig gerieten die Teilnehmer eines solchen Gastgelages in Streit; da alle freien Männer immer bewaffnet waren, folgten auf Schimpfreden oft Blutvergießen und Mord.
Als Unterhaltung waren Würfelspiele beliebt. Dabei blieb man aber nüchtern, denn meistens wurden sehr hohe Beträge gesetzt. Wer alles verloren hatte, konnte seine Freiheit aufs Spiel setzen: Verlor er erneut, wurde er Sklave des Gewinners.
Ansonsten kannte man Schwerttänze, bei denen die jungen Männer ihre Geschicklichkeit vorführten, indem sie zwischen Schwertern und Speeren hindurchsprangen.
Soweit die Berichte der römischen Historiker. Das öffentliche Leben war vermutlich überwiegend von Männern bestimmt. Frauen scheinen (wie auch bei den Römern und Griechen) auf das eigene Haus beschränkt gewesen zu sein, wo sie in Gesellschaft ihrer Schwiegereltern und Schwägerinnen waren. Dort hatten sie viel Arbeit mit den Kindern, den Hausarbeiten, der Kleidungsherstellung und der Aufsicht über die Sklaven. Etwas Abwechslung gab es vermutlich nur bei religiösen Festen, oder wenn der Hausherr Gäste einlud.
| |