Germanen und Römer
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Germanen
und
Römer

ein Online-Lexikon
von Wolf Mittag

Lexikon: Germanen und Römer: Inhalt
Vorgeschichte: Herkunft der Germanen, Kelten und Römer
Die Kelten, Nachbarn der Germanen
Die Römer, Beherrscher der bekannten Welt
Rom unter Augustus, dem ersten Kaiser
Die Germanen
Siedlungsraum und Nachbarvölker
Germanische Stämme
Germanische Siedlungen und Dörfer
Häuser
Aussehen
Kleidung
Waffen und Kriegsrüstung der Germanen
Lebensweise
Nahrung
Nahrung bei den Römern
Körperpflege
Gesundheit
Landwirtschaft
Handwerk
Handel
Währung und Preisbeispiele
Besitz
Sprache der Germanen: Herkunft und Erbe
Gesellschaft und Staat
Sippe
Rolle der Frau
Unfreie
Adel
Gefolgschaft
Die heidnische Religion
Die wichtigsten germanischen Götter
Zauberei
Kunst und Kultur der Germanen
Ansichten der Kulturvölker über die Barbaren
Sklaverei im Römischen Reich
Krieg
Römische Legionen
Römische Eroberung Germaniens
Römische Herrschaft über Germanien
Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien
Folgende Jahrhunderte: Blüte und Niedergang des Römischen Reiches
Literaturempfehlungen
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by Wolf Mittag.
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Sippe

Fast alles, was im heutigen Westeuropa als Aufgabe des Staates verstanden wird, war bei den Germanen Sache des einzelnen und seiner Familie: Schutz von Leben und Eigentum, Rache bei Verbrechen, Hilfe in Notlagen, Erziehung und Ausbildung, Altersversorgung, und Unterstützung für die Schwachen.

Die Familie umschloß nicht nur die Ehepartner, ihre Kinder und die nächsten Verwandten, sondern als Großfamilie (Sippe) sämtliche blutsverwandten oder angeheirateten Verwandten: Ein gemeinsamer Vorfahr in fern zurückliegender Zeit war genug, sich einander zugehörig und zu Frieden und gegenseitiger Hilfe verpflichtet zu fühlen.

Jedes Sippenmitglied hatte die moralische Pflicht, die Angelegenheiten seiner Verwandten wie seine eigenen zu vertreten. Freundschaften und Feindschaften jedes Sippenmitglieds mußten von allen übernommen werden; Eigentum, Ehre, Rechte oder Ansprüche jedes Sippenmitglieds mußten von allen verteidigt; Angriffe oder Beleidigungen von allen gerächt werden. Wenn die Sippe einig war, konnten ihre Mitglieder Sicherheit, Ehre und auch eine gewisse Macht genießen.

Die Sippenbande waren aus Notwendigkeit stark, nicht bloß aus Familiensinn. Denn ohne die Zugehörigkeit zu einer Sippe wäre man schutzlos und damit praktisch rechtlos gewesen. Man könnte sein Eigentum nicht verteidigen und wäre seines Lebens nicht sicher, denn wer einen tötete, bräuchte keine Rache zu fürchten. Und ohne Unterstützung seiner Sippenmitglieder hätte man es auch in der Volksversammlung schwer, seine Rechte durchzusetzen.

Ein Leben ohne Schutz durch die Sippe konnte sich kein Germane als lebenswert vorstellen. (Deshalb mißlang im 7. Jh.n.Chr. die Bekehrung des Friesenkönigs Radbod zum Christentum, als der Missionar erwähnte, die heidnischen Vorfahren des Frischbekehrten würden zweifellos in der Hölle schmoren: Der Friese meinte darauf, er wolle nach dem Tod mit seinen ruhmreichen Ahnen vereint sein - wenn sie in der Hölle seien, wolle er auch dorthin.)

Die Macht einer Sippe beruhte auf ihrer Einigkeit. Deshalb durfte es zwischen Verwandten keinen Streit geben. Alles, was den Zusammenhalt gefährdet hätte, mußte vermieden werden. Sicherlich war man bei Beleidigungen durch Verwandte auch weniger empfindlich als bei Kränkungen durch Fremde, wo man schnell seine Ehre verletzt sah. Kam es trotz aller Schlichtungsversuche zu einem zersetzenden Streit, konnte die Sippe im äußersten Fall eines ihrer Mitglieder verstoßen.

Die Sippe war aber mehr als eine bloße Zweckgemeinschaft: Die gleichförmige Einfachheit der primitiven Gesellschaft machte es dem einzelnen schwer, sich ein individuelles, einzigartiges Leben zu erschaffen. Statt persönlicher Leistung, Bildung, Besitz, eigener Vorlieben und Interessen etc war es die Sippe, über die man sich definierte, und mit der man sich identifizierte. Die Taten und Erfolge, Fähigkeiten und Schwächen seiner Vorfahren und Verwandten empfand man als seine eigenen. Hatten Sippenmitglieder Großes vollbracht, würde man das selbst auch können - auch wenn man bisher noch überhaupt nichts geleistet hatte; denn man war ja wie sie, sie waren ein Teil von einem selbst.

Bei der Namensgebung wurde diese Zusammengehörigkeit gerne betont. Z.B. hießen Angehörige der westgotischen Königssippe Theudis, Theudegisel, Theudahatho, Theudomir, Theuderik und Theudimund: Namen, die auf Theudis (=Volk) gebildet wurden; oder Angehörige der Merowinger hießen Childerik, Chlodwig, Chlothilde, Chlodomir, Childebert, Charibert und Chilperich - von Hild (=Schlacht). Bei vielen Stämmen war es auch üblich, Kinder nach verstorbenen Sippenmitgliedern zu benennen, deren Eigenschaften in ihnen weiterleben sollten.

Eine Eheschließung verband die Sippe einer Frau mit der ihres Mannes. Das Heil und die Fähigkeiten ihrer Ahnen und Sippenmitglieder gingen nun auch auf die Sippe des Ehemannes über, und auch Kinder, die mit der neu eingeheirateten Sippe gar nicht blutsverwandt waren, konnten nach Angehörigen dieser Sippe benannt werden.

Neugeborene mußten vom Vater rituell in die Sippe aufgenommen werden. Ein schwaches oder behindertes Kind konnte er zurückweisen: Dann wurde es ausgesetzt - bevor es Mitglied der Sippe geworden war.









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