Germanen und Römer
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Germanen
und
Römer

ein Online-Lexikon
von Wolf Mittag

Lexikon: Germanen und Römer: Inhalt
Vorgeschichte: Herkunft der Germanen, Kelten und Römer
Die Kelten, Nachbarn der Germanen
Die Römer, Beherrscher der bekannten Welt
Rom unter Augustus, dem ersten Kaiser
Die Germanen
Siedlungsraum und Nachbarvölker
Germanische Stämme
Germanische Siedlungen und Dörfer
Häuser
Aussehen
Kleidung
Waffen und Kriegsrüstung der Germanen
Lebensweise
Nahrung
Nahrung bei den Römern
Körperpflege
Gesundheit
Landwirtschaft
Handwerk
Handel
Währung und Preisbeispiele
Besitz
Sprache der Germanen: Herkunft und Erbe
Gesellschaft und Staat
Sippe
Rolle der Frau
Unfreie
Adel
Gefolgschaft
Die heidnische Religion
Die wichtigsten germanischen Götter
Zauberei
Kunst und Kultur der Germanen
Ansichten der Kulturvölker über die Barbaren
Sklaverei im Römischen Reich
Krieg
Römische Legionen
Römische Eroberung Germaniens
Römische Herrschaft über Germanien
Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien
Folgende Jahrhunderte: Blüte und Niedergang des Römischen Reiches
Literaturempfehlungen
Impressum
Historisches Computerspiel Teudogar und das Bündnis mit Rom

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by Wolf Mittag.
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Unfreie

Unfrei war, wer von einer unfreien Mutter abstammte, wer bei einem Kriegszug gefangen wurde, oder wer sich selbst verkaufte, um seine Schulden zu bezahlen.
Die häufigste Ursache für Unfreiheit war natürlich der Krieg: Nach Niederlagen gerieten manchmal ganze Stämme in Unfreiheit und mußten künftig den Siegern Gehorsam leisten und Abgaben zahlen.

Ein Unfreier war Eigentum seines Herrn, weil im Krieg der Sieger das Recht hatte, den Besiegten zu töten: Die Leistung des Herrn bestand darin, den Unfreien am Leben zu lassen, und ihn sogar zu beschützen; die Gegenleistung des Unfreien bestand in Gehorsam, Arbeit und Abgaben.

Ein Unfreier hatte nicht länger das Recht, sich selbst zu verteidigen. Bei allen Streitigkeiten mußte er seinen Herrn als Schlichter anrufen. (Im Mittelalter gab es deshalb großen Widerstand, als christliche Könige versuchten, staatliche Rechtsprechung einzuführen und das Recht jedes freien Mannes auf Rache abzuschaffen: Denn wer sein Recht nicht mehr selbst durchsetzen darf, war nach germanischer Auffassung praktisch ein Sklave.)

Wer unfrei war, durfte keine Waffen tragen und keine eigenen Interessen vertreten. Wurde ihm ein Leid getan, erhielt nicht er selbst, sondern sein Herr die Buße dafür. (Als später germanische Eroberer über unterworfene Völker herrschten, betrachteten sie alle ihre Untertanen als unfrei, und verbaten ihnen daher selbstverständlich das Tragen von Waffen. Auch Geldbußen mußten nun an den Staat entrichtet werden, und nicht mehr an den Geschädigten oder dessen Sippe.)

Weil ein Unfreier keinen eigenen Willen mehr haben durfte, hatte er nach germanischer Auffassung auch keine Seele mehr - und wurde daher wie das Vieh als kostbares Eigentum, als Werkzeug, und als Sache betrachtet. (Es war ein großes Unglück, von einem selbständig handelnden Unfreien beleidigt zu werden, weil man sich an einer Sache nicht rächen kann: d.h., man hatte keine Chance, seine beschädigte Ehre wiederherzustellen.)

Die Unfreien gehörten mit zur Hausgemeinschaft ihrer Herren. Ihre Kinder wuchsen gleichbehandelt zusammen mit den Kindern der Herren auf. Erst das frühe Erwachsenenalter brachte den entscheidenden Unterschied: Die Freien bekamen von ihren Vätern Waffen und gingen künftig nie mehr unbewaffnet umher; d.h., sie erhielten das sichtbare Recht und die Möglichkeit, ihre eigenen Interessen zu vertreten - und notfalls gewaltsam durchzusetzen.

Die Germanen behandelten ihre Sklaven etwas besser als die Römer: Die meisten Unfreien bewohnten eigene Häuser und konnten eigene Felder bestellen. Eine bestimmte Menge Getreide, Vieh oder Kleidung mußten sie ihren Herrn abgeben. Unfreie Frauen und Kinder erledigten die Hausarbeiten für den Herrn und seine Familie.

Die relative Freiheit im Alltag änderte jedoch nichts daran, daß die Unfreien mit Haut und Haaren Eigentum ihrer Herren waren: Ihr Herr konnte sie verkaufen, verprügeln oder auch erschlagen, konnte sie nötigen oder vergewaltigen, oder konnte ihr Haar abschneiden und an römische Händler verkaufen.

Allerdings konnte er sie auch freilassen: Das geschah oft, wenn sie einige Jahre gedient hatten. Ihr ehemaliger Eigentümer übernahm in diesem Fall die Funktion einer Sippe für sie, d.h. half ihnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte, bürgte für sie bei Vertragsabschlüssen, und unterstützte sie in Notfällen.

Aus heutiger Sicht erscheint uns die Sklaverei als furchtbares Unrecht. Aber den Germanen, den Römern, und fast allen anderen Völkern kam sie vollkommen natürlich vor: Menschen waren nun einmal nicht gleich; und genauso wie es Männer, Frauen und Kinder gab, gab es Freie und Unfreie - und das war schon immer so gewesen.

Auch die Sklaven selbst haben offenbar die Sklaverei nicht grundsätzlich abgelehnt: Bei Aufständen, wie sie im Römischen Reich gelegentlich vorkamen, haben sie niemals versucht, die Sklaverei abzuschaffen - sondern vielmehr die erste Gelegenheit genutzt, ihre ehemaligen Herren zu Sklaven zu machen.









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