Germanen und Römer
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Germanen
und
Römer

ein Online-Lexikon
von Wolf Mittag

Lexikon: Germanen und Römer: Inhalt
Vorgeschichte: Herkunft der Germanen, Kelten und Römer
Die Kelten, Nachbarn der Germanen
Die Römer, Beherrscher der bekannten Welt
Rom unter Augustus, dem ersten Kaiser
Die Germanen
Siedlungsraum und Nachbarvölker
Germanische Stämme
Germanische Siedlungen und Dörfer
Häuser
Aussehen
Kleidung
Waffen und Kriegsrüstung der Germanen
Lebensweise
Nahrung
Nahrung bei den Römern
Körperpflege
Gesundheit
Landwirtschaft
Handwerk
Handel
Währung und Preisbeispiele
Besitz
Sprache der Germanen: Herkunft und Erbe
Gesellschaft und Staat
Sippe
Rolle der Frau
Unfreie
Adel
Gefolgschaft
Die heidnische Religion
Die wichtigsten germanischen Götter
Zauberei
Kunst und Kultur der Germanen
Ansichten der Kulturvölker über die Barbaren
Sklaverei im Römischen Reich
Krieg
Römische Legionen
Römische Eroberung Germaniens
Römische Herrschaft über Germanien
Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien
Folgende Jahrhunderte: Blüte und Niedergang des Römischen Reiches
Literaturempfehlungen
Impressum
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by Wolf Mittag.
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Kunst und Kultur der Germanen

Die griechische Bildhauerkunst hatte die nüchternen Römer begeistert und angespornt, ähnlich lebendig und beseelt wirkende Statuen zu erschaffen. Und selbst die wilden Gallier wurden durch griechische Kunstwerke angeregt, ihre ornamentverzierte, geometrisch-starre Darstellungsweise wirklichkeitsnäher zu gestalten. Doch die Germanen blieben davon unbeeindruckt:
Um 100 v.Chr. war eine Delegation der Kimbern und Teutonen nach Rom gekommen, um einen Friedensvertrag auszuhandeln. Man zeigte diesen germanischen Gesandten alle Sehenswürdigkeiten, unter anderem auch eine damals berühmte Statue eines Hirten; eine unübertreffliche griechische Arbeit, für die ihr Eigentümer einen ungeheuren Preis gezahlt hatte. Aber auf die Frage, wie er dieses Meisterwerk finde, meinte einer der Gesandten, diesen alten Kerl wolle er nicht einmal geschenkt haben, selbst wenn er lebendig wäre.

Die Germanen hatten einen unbefangen-naiven Geschmack. Wenn die Statue einen übermenschlich großen, übermenschlich starken Krieger dargestellt hätte, oder wenn sie aus glänzendem Gold gewesen und mit vielen funkelnden Edelsteinen üppig verziert gewesen wäre, hätte sie ihnen vielleicht gefallen - aber ob sie realistisch oder beseelt aussah oder nicht, kümmerte sie wenig. Menschen gab es schließlich in einer so großen Stadt wie Rom genug: Welchen Sinn hatte da ein Mensch aus Stein? - vor allem, wenn er noch nicht einmal gut aussah?

Neben diesem bäuerlichen Pragmatismus bremsten auch einige Besonderheiten ihrer Lebensweise die kulturelle Entwicklung der Germanen: Der Brauch, wegen Auszehrung der Ackerböden und Verfall der Holzhäuser oft nach wenigen Jahrzehnten andere Wohnsitze zu suchen, sorgte dafür, daß die Baukunst auf das Notwendig-Praktische beschränkt blieb. Das Fehlen gemeinschaftlicher Institutionen machte öffentliche Gebäude unnötig. Wegen der allgemeinen Gleichheit und Armut fehlten Reiche und Repräsentationsgierige als Auftraggeber für Kunstwerke. Die halbdunklen, verrauchten und rußigen Häuser eigneten sich schlecht, Gemälde darin aufzuhängen oder die Wände mit Fresken zu verzieren. Die allgemeine Unkenntnis der Schrift verhinderte die Entstehung von Geschichtsschreibung und Literatur.

Doch innerhalb dieser Grenzen entfaltete sich die Kultur der Germanen durchaus reichhaltig.

Zwar gab es keine 'zwecklose' Kunst, aber fast alle Gebrauchsgegenstände wurden liebevoll verschönert: Armreifen, Gürtelschnallen, Schmuckstücke, Schwerter oder Gefäße wurden mit detailreichen geometrischen Mustern verziert; Dachbalken und Stühle mit kunstvollen Schnitzereien versehen; Schilde bunt bemalt; Mäntel, Decken und Tücher mit komplizierten eingewebten Mustern geschmückt.

Der germanische Schmuck verrät unbefangene Freude am Bunten und Üppigen: Kunstvoll gearbeitete Broschen, Fibeln, Gürtelschnallen oder Armreifen aus Gold oder Silber versah man gerne mit zahllosen farbigen Glasstücken oder Edelsteinen, die in geometrischen Mustern angeordnet wurden, so daß z.B. eine goldene Fibel in Form eines Adlers von hunderten kleinen dunkelroten Granatsteinen bedeckt war, die in symmetrischen geraden oder halbkreisförmigen Linien angeordnet in das Metall eingelegt waren.
In den Jahrhunderten n.Chr. entwickelte sich aus solchen Verzierungen, beeinflußt von skythischen, keltischen und römischen Vorbildern, ein unverwechselbarer eigener Stil, der germanische Tierstil: wild wuchernde Linien und pflanzenartige Ornamente, deren Umrisse Tiergestalten bildeten.

Die Germanen bauten gewöhnlich keine Tempel, sondern verehrten ihre Götter meistens in heiligen Hainen, d.h. besonders alten, unheimlich wirkenden Baumgruppen, in deren Mitte sie einen Altar aufstellten, oder in Sümpfen, an Quellen oder ähnlichen Orten. Dort errichteten sie oft auch Götterbilder, vor denen sie ihre Opfer darbrachten. Doch bei diesen Statuen handelte es sich meistens nur um zwei bis drei Meter lange, roh behauene Baumstämme, bei denen die Beine durch eine Gabelung darstellt wurden, die Arme durch eingefügte Äste, und der Kopf durch Einkerbung des Halses, das Gesicht kaum angedeutet. Andere Formen der 'Bildhauerei' gab es bei den Germanen nicht.

Über die germanische Musik weiß man nur wenig. Es gab Trommeln, Rasseln, eine Art Harfe, und Hörner. Vermutlich zu religiösen Zwecken dienten sogenannte Luren: bis zu 2,5m lange Trompeten aus Bronze, die paarweise gespielt wurden. Streichinstrumente kannte man erst seit dem Mittelalter.

Trotz ständiger Kontakte mit Römern und Kelten blieben die Germanen jahrhundertelang schriftlos - vermutlich, weil sie keine Schrift brauchten. Es gab in Germanien nichts zu verwalten und nichts zu notieren, weil es keinen Staat, keine Gerichte und keine Urkunden gab. Bei Verträgen tauschte man Gegenstände aus, und Zeugen waren zuverlässiger als beschriebenes Papier. Briefe als Kommunikationsmittel waren unnötig, da die meisten Germanen nur die wenigen Menschen kannten, die in ihrer eigenen Siedlung wohnten. Außerdem hätte ohnehin ein Bote den Brief überbringen müssen - da war es einfacher, ihn die Nachricht gleich ausrichten zu lassen.

Im 1.Jh.n.Chr. kannte man allerdings schon eine Art Buchstaben: die Runen. Tacitus beschreibt den germanischen Brauch, kleine Stäbe aus Holz mit diesen Zeichen zu bemalen, drei davon zufällig auszuwählen und daraus die Zukunft zu deuten. (Von diesen Buchen-Stäben stammt sehr wahrscheinlich das deutsche Wort 'Buchstabe'.)

Diese Runenzeichen waren den römischen Buchstaben nachempfunden, aber so geformt, daß man sie leicht ritzen konnte und nicht auf Tinte und Papyrus angewiesen war.
Vermutlich seit dem 2.Jh.n.Chr. wurden die Runen auch als richtige Schrift genutzt, doch gewöhnlich ritzte man höchstens seinen Namen auf seinen Besitz oder einen Segen auf einen Gegenstand. Lange Texte oder gar Bücher sind erst Jahrhunderte später nach römischem Vorbild in lateinischer Schrift abgefaßt worden, wodurch die Runenschrift schließlich völlig verdrängt wurde.

Die germanische Dichtung blieb jahrhundertelang rein mündlich: Man kannte Sprichworte, Preislieder, Göttersagen, Heldenlieder und Zaubersprüche. Vorgetragen wurde gewöhnlich in Stabreimen und im Sprechgesang.

Später ließ Kaiser Karl der Große alle erhaltenen germanischen Heldenlieder aufzeichnen; aber sein Sohn Ludwig der Fromme ließ 830 n.Chr. die kostbare und umfangreiche Sammlung verbrennen, da ihm die Texte heidnisch und teuflisch vorkamen.

Heute existieren nur noch spärliche Reste: aus dem 8. Jahrhundert das Hildebrandslied und die Beowulf-Sage, aus dem 9.Jh. die Merseburger Zaubersprüche, aus dem 12.Jh. das Nibelungenlied und die Dietrichsage, aus dem 9.Jh. die ältere und aus dem 13.Jh. die jüngere Sagensammlung der Edda.

Die meisten dieser Texte sind Nacherzählungen älterer Sagen oder historischer Begebenheiten aus der kriegerischen Völkerwanderungszeit im 5.Jh.: Z.B. die Nibelungensage vom Untergang der germanischen Burgunder am Hof des Hunnenkönigs Attila beruht darauf, daß im Jahr 436 n.Chr. tatsächlich das burgundische Königreich von einem hunnischen Söldnerheer vernichtet wurde (allerdings im Auftrag des weströmischen Kaisers, ohne daß Attila etwas damit zu tun gehabt hätte). Die mündliche Überlieferung schmückte das Ereignis nachträglich mit berühmten Personen aus, z.B. mit Attila (Etzel) und Theodorich (Dietrich von Bern).









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