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| Ansichten der Kulturvölker über die BarbarenNach dem Klang der unverständlichen Sprache bezeichneten die Griechen alle Fremden als Barbaren (Bar Bar bedeutet soviel wie Bla Bla). Die scharfsinnigen, klardenkenden und kultivierten Griechen empfanden die meisten Nichtgriechen als nichtdenkend, planlos, roh und maßlos, so daß der Begriff bald eine sehr negative Färbung annahm. Aristoteles (384 bis 322 v.Chr.) meinte schließlich, Barbaren glichen eher Pflanzen als Menschen.
Als die Römer zuerst mit der griechischen Kultur in Berührung kamen (ab 200 v.Chr.), bezeichneten sie sich selbst unbefangen als Barbaren, Nichtgriechen, und waren stolz darauf, nicht so verweichlicht, spitzfindig und weibisch zu sein wie die militärisch unterlegenen Griechen.
Die Germanen dachten ähnlich - und blieben jahrhunderlang bei dieser Meinung: Noch 257 n.Chr., als die Goten Athen plünderten und einige Krieger dabei waren, eine für sie wertlose Bibliothek zu verbrennen, rief ihnen ein alter Gotenhauptmann zu, sie sollten diese unnützen Dinge den Athenern lassen, denn die Beschäftigung mit Büchern mache sie unkriegerisch und für die Goten ungefährlich.
Doch die Römer waren offener und lernfähiger: Im Laufe der Zeit übernahmen sie die meisten Errungenschaften der griechischen Kultur und blickten selbst auf die Barbaren hinab - das waren nun Afrikaner, Gallier, und vor allem die Germanen. Kunst und Propaganda feierten Siege über die Barbaren als Siege der Ordnung über das Chaos. Der wohlgerüstete römische Reiter, der einen wildbärtigen nackten Barbaren niederstampft, wurde ein beliebtes Grabsteinmotiv für Legionäre.
Andererseits bewahrten sich die Römer eine gewisse Offenheit gegenüber den Barbaren, und übernahmen bereitwillig Kriegsausrüstung oder Kampfesweisen, wo ihnen das vorteilhaft erschien.
Kriegerische Stämme gebrauchten sie gerne als Hilfstruppen, die einer Legion beigegeben wurden und vor allem gefährliche oder verlustreiche Aufgaben durchführen sollten. Bei Kriegen in anderen Ländern war ohnehin jedes Volk auf einheimische Späher und Spione angewiesen.
Der römische Feldherr Caesar verdankte mehrere Siege über die Gallier seiner germanischen Reiterei, die seine römischen Fußtruppen unterstützte. Kaiser Augustus ließ sich ebenso von einer germanischen Leibwache beschützen wie Herodes, der König der Juden.
In den Jahrhunderten n.Chr.Geburt wollten immer weniger Römer an den andauernden Kriegen gegen die Barbaren teilnehmen, weshalb der römische Staat an ihrer Stelle - andere Barbaren rekrutierte; auch mit der bewußten Zielsetzung, daß sich die kriegslüsternen barbarischen Völker gegenseitig ausrotten sollten.
Letztlich erwies sich diese Politik als verhängnisvoll: Da die römische Armee im 5. Jh.n.Chr. zum großen Teil aus Germanen bestand, konnten diese barbarischen Söldner Italien kampflos zum germanischen Königreich erklären: Diese neuen Herrscher bezeichneten sich selbst stolz als Barbaren, und verspotteten die schwächlichen Römer.
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