| KriegDie große Mühsal der Landwirtschaft ließ den Gewinn eines Sklaven oder den Raub von Vieh, Nahrung, Kleidung oder Waffen höchst verlockend erscheinen. Durch kurzfristige Tapferkeit und Gefahr konnte man sich langfristige harte Arbeit und häufige Not und Mangel ersparen oder erleichtern.
Diese Einstellung war nicht barbarisch, sondern auch bei den kultivierten Römern verbreitet, die aus den von ihnen unterworfenen Ländern hunderttausende von Sklaven und eine solche Kriegsbeute gewannen, daß ganz Italien jahrhundertelang von allen Steuern befreit war.
Auch Religion und Moral sprachen nicht gegen Krieg und Raub, eher im Gegenteil: Den Germanen galt nur der Tod auf dem Schlachtfeld als ehrenvoll, langsames Dahinsiechen war verächtlich. Man glaubte (wie auch viele andere Völker), der Kriegstote werde im Jenseits bevorzugt gegenüber den an Krankheit oder Altersschwäche Gestorbenen.
Bei einigen Stämmen gab es die Sitte, sich Haare und Bart solange wachsen zu lassen, bis man seinen ersten Feind getötet hatte. Tacitus: 'Feige und Kriegsscheue behalten ihr zottiges Aussehen.'
Andauernde Kriegführung gegen Nachbarstämme war der Normalzustand. Selbst wenn einmal Frieden herrschte, gab es meistens Fehden zwischen verfeindeten Sippen, die bewaffnet ausgetragen wurden. Die Waffenausbildung der Jugend ergab sich dabei von selbst.
Zog ein germanisches Heer in den Kampf, stellten sich die Krieger meistens in Keilform auf, an der Spitze der Heerführer mit seiner Gefolgschaft, dahinter Reihe um Reihe, immer breiter werdend: Je nach Anlaß und Stammesgröße waren mehrere tausend Mann versammelt. Brüder oder Väter und Söhne standen nebeneinander; wurde einer getötet, kämpften die anderen um so verbitterter, um ihn zu rächen.
Beim Angriff stimmte der Heerhaufen laute und wilde Schlachtgesänge oder Sprechchöre an, wobei die Männer ihre Schilde vor den Mund hielten, um den Schall zu verstärken; oft schlugen sie auch die Waffen rhythmisch auf die Schilde. Dieser tausendstimmige, gleichrhythmische Lärm minderte ihre eigene Furcht und ängstigte die Feinde.
Der Haufen stürmte los mit dem Ziel, den feindlichen Heerhaufen zu durchbrechen und in zwei kleinere Gruppen zu teilen. Gelang dies, lösten sich die beiden Heere in hunderte von Einzelkämpfen auf.
Wenn aber der Durchbruch scheiterte und der Haufen steckenblieb, hatten die Krieger ihren Schwung verloren und suchten ihr Heil oft in der Flucht. Gerade dabei wurden aber viele erschlagen. Wer die Flucht überlebte, war entehrt, denn es galt als furchtbare Schande, ohne Schild aus der Schlacht zu kommen (den warf man weg, um schneller flüchten zu können).
Am Ende war das Schlachtfeld leichenübersäht; das unterlegene Heer war geflohen oder erschlagen, das siegreiche Heer konnte seine Verwundeten versorgen, die Waffen und Wertsachen der Besiegten an sich nehmen, die eigenen Toten bestatten, und anschließend das Land der Besiegten ausplündern und verheeren, Frauen vergewaltigen, die Dörfer in Brand setzen und Gefangene als Sklaven nehmen.
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