Germanen und Römer
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Germanen
und
Römer

ein Online-Lexikon
von Wolf Mittag

Lexikon: Germanen und Römer: Inhalt
Vorgeschichte: Herkunft der Germanen, Kelten und Römer
Die Kelten, Nachbarn der Germanen
Die Römer, Beherrscher der bekannten Welt
Rom unter Augustus, dem ersten Kaiser
Die Germanen
Siedlungsraum und Nachbarvölker
Germanische Stämme
Germanische Siedlungen und Dörfer
Häuser
Aussehen
Kleidung
Waffen und Kriegsrüstung der Germanen
Lebensweise
Nahrung
Nahrung bei den Römern
Körperpflege
Gesundheit
Landwirtschaft
Handwerk
Handel
Währung und Preisbeispiele
Besitz
Sprache der Germanen: Herkunft und Erbe
Gesellschaft und Staat
Sippe
Rolle der Frau
Unfreie
Adel
Gefolgschaft
Die heidnische Religion
Die wichtigsten germanischen Götter
Zauberei
Kunst und Kultur der Germanen
Ansichten der Kulturvölker über die Barbaren
Sklaverei im Römischen Reich
Krieg
Römische Legionen
Römische Eroberung Germaniens
Römische Herrschaft über Germanien
Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien
Folgende Jahrhunderte: Blüte und Niedergang des Römischen Reiches
Literaturempfehlungen
Impressum
Historisches Computerspiel Teudogar und das Bündnis mit Rom

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Scheitern der römischen Herrschaft über Germanien

7 n.Chr. erhielt ein neuer Statthalter den Oberbefehl über Germanien: Der 55jährige Publius Varus hatte eine Nichte des Kaisers geheiratet und war daraufhin zunächst römischer Statthalter in Syrien geworden, wozu Velleius meint: 'Arm war er in das reiche Land gekommen, reich verließ er ein armes Land.'
Der Römer Velleius beschreibt seinen Mitbürger Varus als 'ruhigen Charakter, körperlich wie geistig etwas unbeweglich'. Er habe die Ansicht gehabt, die Germanen seien 'Menschen, die außer der Sprache und den Gliedmaßen nichts von Menschen hätten'.
Er wollte die Germanen zivilisieren, indem er konsequent die römischen Gesetze einführte: 'Wer sich mit dem Schwert nicht überwältigen lasse, dem müsse man mit dem Recht beikommen. Mit solchen Vorsätzen kam er in die Mitte Germaniens und verbrachte die Sommerzeit mit Rechtsprechen und ordnungsmäßigen Verhandlungen vor seinem Richterstuhl, als wäre er unter Menschen, die sich der Süße des Friedens erfreuten.'

Aber die Germanen hatten ein anderes Rechtsverständnis als die Römer. Die freiheitsgewohnten, unzivilisierten Stämme empfanden den modernen römischen Staat als Versklavung und Bedrückung: Abgaben hatten früher nur Sklaven zahlen müssen - wenn die Römer Steuern forderten, fühlten sich die Germanen dadurch gedemütigt. Auch verbitterte sie, daß bei Streitfragen nicht mehr die Versammlung aller freien Männer entschied, sondern ein römischer Beamter - so wie ein Herr Streitigkeiten unter seinen Sklaven schlichtet.

Teilweise waren die Abgaben zu hoch; die römischen Beamten waren aus anderen Provinzen an hohe Einkünfte gewöhnt, aber bei Stämmen, die kaum sich selbst ernähren konnten, mußten ihre Forderungen zu echter Not führen.

Auch die germanischen Verbündeten der Römer waren unzufrieden, weil sie nicht viel besser als die unterworfenen Germanenstämme behandelt wurden, zu deren Unterwerfung sie selbst beigetragen hatten. Dies widersprach dem germanischen Gefolgschaftsdenken: Gefolgsleute verdienen für ihre Tapferkeit und Treue Geschenke. Wenn der Gefolgsherr, in diesem Fall der römische Statthalter, stattdessen Abgaben forderte, war das ein unverzeihlicher Treuebruch.

Und die germanischen Adligen, die in den letzten Jahren ihre Stämme mit römischer Unterstützung nach den Wünschen der Römer regiert hatten, fürchteten Varus' Politik einer rascheren Romanisierung: Wenn die Römer Germanien direkt regierten, und auch die lokalen Angelegenheiten selbst regelten, dann würden sie bald keine einheimischen Kollaborateure mehr brauchen - d.h., die meisten germanischen Adligen würden sehr bald Macht, Reichtum und Privilegien verlieren.

Neben diesen grundsätzlichen Einwänden waren für die meisten Germanen vermutlich die vielen kleinen alltäglichen Demütigungen, Konflikte und Ärgernisse ausschlaggebend: Wenn z.B. römische Beamten die Größe der als Tribut gelieferten Rinderhäute beanstandeten (die von den Germanen gezüchtete Rinderrasse war verhältnismäßig klein) und zusätzliche Zahlungen forderten, oder wenn Soldaten der Besatzungsmacht einheimische Frauen vergewaltigten und dafür nicht (oder jedenfalls nicht streng genug) bestraft wurden, oder wenn korrupte Beamte Schmiergelder verlangten, oder wenn Zölle und Abgaben den Einheimischen zu hoch erschienen, oder Gerichtsurteile unfair.

All das ließ vielleicht eine sehnsüchtige Erinnerung an die 'gute alte Zeit' wachwerden, als man sein eigener Herr war, sich gegen Unrecht selbst zur Wehr setzen konnte, und niemandem gehorchen mußte; und als das Schicksal des Stammes durch freie Abstimmung in der Volksversammlung entschieden wurde - und nicht durch die oft unvernünftigen Befehle subalterner römischer Beamter, die manchmal erst seit wenigen Wochen im Land waren, und die nichts über die bisherigen Bräuche der von ihnen Regierten wußten oder wissen wollten.

Arminius war ein 28jähriger germanischer Adeliger aus dem Stamm der Cherusker. Er hatte als Führer germanischer Hilfstruppen lange in römischen Diensten gestanden und sogar das römische Bürgerrecht und den Titel eines römischen Ritters erhalten. Mehrere seiner Verwandten ware treue Anhänger Roms.

Warum ausgerechnet er sich gegen die Römer wandte, ist nicht bekannt: Ob er seinem Stamm die Freiheit wiedergewinnen wollte, oder ob er danach strebte, ein Königtum über die germanischen Stämme zu errichten, die er im Kampf gegen die Römer anführen wollte. Jedenfalls ließ ihn die Unzufriedenheit der Germanen mit der römischen Herrschaft auf breite Unterstützung für einen neuen großen Aufstand hoffen.

Arminius hatte genug römische Kriegskunst erlernt, um zu wissen, daß er mit seinen Kriegern niemals eine offene Schlacht gegen die disziplinierten und gut ausgerüsteten Legionäre bestehen würde. Daher berichtete er im Jahr 9 n.Chr. dem Varus von einem angeblichen Aufstand und stellte ihm Führer, die ihn in eine Falle locken sollten.

Varus wollte mit seiner gesamten Heeresmacht wie üblich ins Winterlager ziehen, und den Aufstand auf dem Weg dorthin rasch niederschlagen. Obwohl er von einem Verwandten des Arminius vor dessen Verrat gewarnt worden war, vertraute er seinen germanischen Führern und zog mit seinen drei Legionen und einem gewaltigen Troß, insgesamt über 20.000 Mann, durch eine sumpfige, unübersichtliche und unbekannte Waldgegend (vermutlich nördlich der heutigen deutschen Stadt Osnabrück).

Die Soldaten marschierten in bequemer freier Ordnung, die Helme abgesetzt und die Schilde auf dem Rücken - bis sie plötzlich von den Kriegern des Arminius aus dem Hinterhalt angriffen wurden: Von germanischen Männern, die früher in römischen Hilfstruppen Kriegsdienste geleistet hatten, und die von den Römern mit römischen Waffen ausgestattet worden waren - Waffen, die sie nun gegen ihre einstigen Verbündeten und Herren richteten. (Moderne Archäologen haben bei der Erforschung des Schlachtfeldes keine einzige typisch germanische Waffe gefunden.)

Die Kämpfe zogen sich über drei Tage hin; der andauernde starke Regen erschwerte den Legionären die Sicht, ließ den Boden aufweichen und zehrte zusammen mit der Kälte an ihrer Ausdauer. Der langsame Troß hinderte sie an einem schnellen Rückzug aus dem ungünstigen Gelände. Vor allem aber konnten sie keine wirksame Gegenwehr leisten, da sich die Germanen nach jedem Angriff wieder in den Schutz des Waldes zurückzogen. Während das römische Heer sich anfangs noch geordnet zurückgezogen hatte, setzte bald eine allgemeine Panik ein, in der jeder nur noch sich selbst zu retten versuchte. Es folgte eine schreckliche Metzelei, bei der viele Römer gar keinen Widerstand mehr leisteten, andere sich selbst töteten und die meisten - verirrt und entkräftet, in kleine Gruppen zersplittert - nach und nach von den Kriegern des Arminius erschlagen wurden.

Es gab so gut wie keine römischen Überlebenden. Drei der besten Legionen waren nicht nur besiegt, sondern ausgelöscht: Ein Sechstel der gesamten Heeresmacht des Römischen Reiches war vernichtet. 30 Jahre lang hatten die Römer mühevoll das Land erkundet, die germanischen Stämme als Bündnispartner gewonnen oder unterworfen, Straßen angelegt, eine Provinzverwaltung errichtet, erste Städte gegründet. Über 50.000 Mann hatten drei Jahrzehnte lang dafür gearbeitet, Germanien zu zivilisieren und zu einem Teil des römischen Reiches zu machen, und waren vom römischen Staat bezahlt, ausgerüstet, untergebracht und verpflegt worden - und nun waren über 20.000 dieser Menschen binnen weniger Tage getötet wurden. Kaiser Augustus selbst hatte jahrelang am Rhein gelebt, um die Eroberungen zu leiten - und das Ergebnis all dieser Mühen war mit einem einzigen Schlag vernichtet worden.

Zahllose Germanen hatten wie Arminius und seine Krieger Kriegsdienste für die Römer geleistet, waren von ihnen ausgebildet und bewaffnet worden, und nun war Germanien keine Provinz mehr, sondern ein freies und feindliches Land. Die Römer mußten wieder germanische Angriffe auf ihre Provinz Gallien oder gar auf Italien fürchten.

Aber diese weitreichenden römischen Befürchtungen waren unbegründet. Die germanischen Stämme an Rhein und Nordsee blieben auch nach dem Sieg des Arminius bei ihrem Bündnis mit den Römern. Freilich war dieses Bündnis nach dem römischen Abzug gegenstandslos, doch wenigstens konnten die Römer ihrer Friedfertigkeit sicher sein.

Auch Marbod, König der germanischen Markomannen, blieb weiterhin untätig. Arminius hatte ihm den Kopf des Varus geschickt, als Aufforderung, sich dem Krieg gegen Rom anzuschließen, doch Marbod hatte mit seinem eigenen Reich genug: Er wollte sich nicht an einem riskanten Krieg beteiligen und schickte Varus' Kopf zurück nach Rom an Kaiser Augustus.

Zur Überraschung und Freude der Römer verzichteten auch die siegreichen aufständischen Germanenstämme darauf, das römische Gallien oder Italien anzugreifen. Sie schienen zufrieden damit, ihre alte Lebensweise und Unabhängigkeit wiedergewonnen zu haben, und gegeneinander zahlreiche kleinere Kriege zu führen.
Tatsächlich hätten sie keinen Angriff auf das römische Reich wagen können: Die Germanenstämme im Norden waren immer noch mit den Römern verbündet, im Westen und Süden standen die Legionen des römischen Galliens und Rätiens, und im Osten verharrte das germanische Markomannenreich in bedrohlicher Neutralität.

Der Rhein blieb die Grenze zwischen dem römischen Gallien und dem freien Germanien. Arminius wurde nicht etwa König der vereinten Germanen, sondern wurde von seinen Verwandten ermordet, und seine Frau und sein Sohn wurden von seinem römertreuen Schwiegervater Segestes den Römern ausgeliefert.









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